Bordunzithern

 





Was ist eine Zither? 

 

 

Eine Zither besteht aus einem Schallkörper und Saiten, die über die ganze Länge des Schallkörpers gespannt sind.


 

Zither


 

Der Schallkörper kann aus einem Brett oder einem offenen oder geschlossenen Kasten bestehen. Der Kasten kann aus Holz oder Bambus gefertigt sein. 

 

Die Saiten werden aus Eisen- oder Bronzedraht, Darm, Nylon, Leinen oder Seide gefertigt.

 

Der Ton wird erzeugt, indem die Saiten mit den Fingern gezupft, mit einer Gänsefeder oder einem Plektrum aus Horn, Metall, Plastik oder Bambus angerissen, mit einem Bogen gestrichen, mit einem Stab geschlagen oder mit einer Tangente angedrückt werden.

 

Es gibt Zithern ohne und mit Bünden (Bundzither). Die Bünde können aus Metalldraht, Holz oder anderen Materialien gefertigt sein. Manchmal sind die Bünde direkt auf dem Schallkörper befestigt, andere Instrumente haben ein Griffbrett (Griffbrettzither) auf dem Schallkörper angebracht; auf diesem Griffbrett befinden sich dann die Bünde.

 

Die hier vorgestellten Zithern lassen in der Regel nur das Spiel in einer Tonart zu (diatonische Zither). Zusätzliche Bünde, eine zweite Melodiesaite oder verschiebbare Stege erweitern die Möglichkeiten (chromatische Zither).

 

Man spielt eine Melodie, indem man entweder nacheinander verschiedene Saiten anspielt oder die Melodiesaiten an ihrem linken Ende mit den Fingern, einem Holzstab, einem Glasröhrchen oder mit Hilfe einer Tastaturmechanik verkürzt.

 

Manche Zithern ermöglichen ein Akkordspiel. Andere haben Bordunsaiten (Bordunzither). Die Bordunsaiten (Begleitsaiten, Freisaiten) unterlegen die Melodie mit einem immer gleich klingenden Bordunton (Grundton). 


 


 


Vorläufer der europäischen Bundzithern

 

 

Als Vorläufer der europäischen Bundzithern vermutet man das Monochord mit einer Saite oder mehreren gleichklingenden Saiten, welches als Theorie-Instrument, als Tongeber für den Gesang und als Musikinstrument genutzt wurde.  

 

 

Claudius Ptolemaios (ca. 83-161), der in Alexandria lebte, schrieb über den Bau des einsaitigen Kanons (Monochord):

 

  • […] machen die Instrumentenbauer die Einschnitte ganz und gar nicht nach der richtigen Proportion, sondern sobald sie die Saite ausgespannt haben, schieben sie den Steg hierhin und dorthin, bis ein jeder der gesuchten Töne das Ohr trifft. Dort markieren sie dann den entsprechenden Einschnitt mit einem Zeichen, nachdem der Steg, mit dessen Hilfe sie die Teilstelle gefunden haben, entfernt worden ist.

Über die Unbequemlichkeiten beim Gebrauch des Monochordes schrieb er: 

 

  • […] wird aber, je nachdem Melodie und Rhythmus es erfordern, der Steg schneller bewegt, dann ist Genauigkeit nicht mehr möglich, denn dann werden jene richtig bezeichneten Einschnitte weder genau berührt, noch können die entsprechenden Töne leicht hervorgebracht werden, da die Bewegung zu schnell ist. […]                  Deshalb ist es zu schnellem Tempo ungeeignet. Das ist wohl meiner Meinung nach auch der Grund, daß die Leute, […] es niemals für sich allein […], sondern immer in Begleitung von Pfeifen und Flöten [verwenden].

 

 

Das Monochord im Werdener Psalter (Werden/Ruhr, um 1045) hat einen verschiebbaren Steg. Drei Musiker und zwei Tänzer sind auf der Abbildung zu sehen.

 

Miniatur um 1045 im Werdener Psalter

 

 

    

Ein plastisch gestalteter Engel im Kreuzgang (erbaut 1473) des Zisterzienserinnen-Klosters Himmelkron (bei Bayreuth) spielt ein Monochord mit verschiebbarem Steg und Schallloch.

 

Monochord
Monochord, Himmelkron, 1473

 

 

Der Benediktiner Veit Bild gibt in einem Traktat (1514) Hinweise zum Bau des Monochords: Das Brett soll "tenuem"= dünn und "levigatam"= glatt sein. Die Länge soll "pedes tres"= 99cm und die Breite "pedem dimidium"= 16,5cm betragen. Der Tonumfang beträgt zwei Oktaven. Die Saite soll nicht aus Metall, sondern aus "nervis animalium" sein. Die Saite wird mit der linken Hand gegriffen und mit der rechten Hand angeschlagen. 

 

 

Johann Turmair (Johannes Aventinus) beschreibt in seiner Musicae rudimenta (1516) den Aufbau und die Vorzüge des Monochordes. Eine Abbildung zeigt verschiedene Instrumente mit zwei bzw. drei Saiten, einem geraden Steg und einem Schallloch zur Klangverstärkung.  Ein Instrument hat einen offenen Boden. 

 

Aventinus: Schema monochordi, 1516

 

 

Ein Monochord mit einem abgerundeten Resonanzkörper, 4 Schalllöchern, einem Wirbelkopf in Form einer Schnecke, einem Stimmwirbel sowie Federkiel und verschiebbarem Steg zeigt der Druck von ca. 1550.

 

monochordum
Monochordum. (Abb BSB,München)

 

 


Bundzithern in Europa 

 

 

 

Schmale Bundzithern

 

 

Die schmalen Bundzithern haben 3 oder 4 gleichgestimmte Saiten. Der Boden ist offen. Die Bünde sind diatonisch angeordnet und direkt auf der Instrumentendecke angebracht.   

 

 

Bundzither
Bundzither - von Christophe Toussaint gebaut

    

 

 

... in den Niederlanden/Belgien

 

Eine Bundzither aus dem Jahre 1608 befindet sich im Gemeentemuseum in Den Haag. Dieses Instrument hat eine Länge von 84,1 cm und ist aus einem Block geschnitten. Der Boden ist offen. Es hat 1 Melodie- und 2 Bordunsaiten über 18 Bünden.


Mehrere Instrumente aus dem 18./19.Jh. befinden sich in Museen.  

 

 

... in Norddeutschland

 
  

1620 wird eine Bundzither von Michael Praetorius beschrieben und abgebildet, die er Scheitholt oder Scheidtholtt nennt:

 

  • Obwol dieses Instrument billich unter die Lumpeninstrumenta referiret werden solte, so habe ich doch dasselbe, weil es wenigen bekant, in etwas allhier delinieren wollen.             Und ist ein Scheit oder Stückeholz nicht so gar sehr ungleich, denn es [ist] fast wie ein klein Monochordum von drey oder vier dünnen Bretterlein gar schlecht zusammengefügt, oben mit ein kleinen Kragen, darinnen drey oder vier Wirbel stecken mit 3. oder 4. Messingsäiten bezogen. Darunter drey in unisono uffgezogen, die eine aber unter denselben in der Mitten mit ein Häklein, also, daß sie um eine Quint höher resoniren muß nieder gezwungen wird. Und so man wil, kan die vierdte Säite umb eine Oktav höher hinzugethan werden.                      Es wird aber über alle diese Säiten unten am Stäige mit dem rechten Daumen allezeit überher geschrumpet. Und mit ein kleinen glatten Stöcklin in der lincken Hand uff der fördersten Säiten hin und wieder gezogen, dadurch die Melodey des Gesanges über die Bünde, so von Messingen Draht eingeschlagen sind, zuwege gebracht wird.

 

 

 

... in Frankreich

 

Eine Abbildung gibt auch Denise Diderot im Jahre 1777. Hier heißt die Bundzither Buche. 

 

Scheitholt

 

 

 

 

 

Hummel

 

 

 

Hummelspieler

Die Hummel (Hommel, Humle, Hümmelke, Noordsche Balk, Vlier...) ist eine Griffbrettzither mit mehreren Bordunsaiten. Sie ist im nordeuropäischen Kulturraum verbreitet. Hummeln verschiedenster Bauart vom 17. bis zum 20. Jahrhundert befinden sich in Museen und in Privatbesitz.


 

 

 

 

... in Schleswig-Holstein

 

 

    

Hummel Gut Damp

Einer fast lebensgroßen Stuckfigur von ca. 1698 im Plafond der Halle von Gut Damp an der Ostsee wurde eine echte, etwas beschädigte Hummel in die Hände gegeben. Die Hummel sollte also vor 1698 gespielt worden sein. (Die Spielhaltung ist ungewöhnlich, man hat aus der Zither ein Gamben-ähnliches Instrument gemacht.).

 

 


 

 

 

Von der Hallig Langeneß stammt eine Hummel aus dem Jahre 1758. Sie ist im äolischen Modus (a-moll) gestimmt.

 

Hummel aus Langeness
Hummel Hallig Langeneß

 

 

 

Hummel Ratzeburg

Eine Stuckdekoration von 1766 im Saal des Herrenhauses am Domhof in Ratzeburg zeigt eine Hummel mit einem übergehängten Dudelsack. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der in Burg in Dithmarschen geborene Johann Heinrich Löhmann erinnert sich an die 1830er Jahre, als er einen Musikanten in Dithmarschen hören konnte. Als Begleitinstrument für seinen Gesang spielte dieser eine Hummel: 

 

  • Nu kummt Kasten, kummt Kasten mit de Hummel un Trin mit de Trummel.

 

 

 

Johann Georg Kohl lernte eine Hommel auf der Insel Föhr kennen und berichtet darüber im Jahre 1846:


 

 

  • […] Sie besaß auch noch ein altes musikalisches Instrument, eine Art antik geformter Cither, die sie vor sich auf den Tisch stellte, um mir ein altes Stück darauf vorzuspielen. Sie nannte diese Cither eine "Hommel" und sagte, es gäbe nur noch wenige "Hommeln" auf der Insel, die aber wohl alle, ebenso wie die ihrige, aus Holland hierher gekommen wären.       Diese Hommel hatte bloß messingene Saiten, von denen einige parallel neben einander gespannt waren, die anderen aber in divergirenden Strahlen sich auf dem Instrumente verbreiteten.               Die ersten griff sie mit dem Finger und riß sie mit einer Federspule. Am Schlusse jedes Satzes aber fuhr sie mit der Federspule über die divergirenden Saiten hin, die gleichsam nur mittönten oder nachhallten und eine Art Echo des Spiels zu bilden schienen.              Ehemals, sagte mir meine alte Freundin, wären solche Hommeln häufiger gewesen, und man hätte wohl nach ihrer Musik getanzt, während man jetzt immer Trompeten und Violinen dazu haben wolle. Die meisten Leute aber hätten die Hommel im Hause gehabt, um darauf den "Sonntagnachmittagspsalm", der sonst in jeder Familie gesungen worden sei, zu accompagnieren.[…]


 

Andreas L. J. Michelsen berichtet im Jahre 1876 von der Insel Föhr:


 

  • Der alte Kapitän Ketelsen in dem Dorfe Borchsum [Borgsum], […] erzählte uns […], wie seine Mutter abends die Hummel auf ein Tischchen, vor dem sie saß, gelegt und den Kindern zum Tanze aufgespielt habe.


 

 

Zwei Hummeln aus Sylt sind noch erhalten.

 


Das Friesische Museum in Niebüll besitzt eine (stark beschädigte) Hummel.

 

 


 

Hummel in Meldorf
Wilfried Ulrich mit restaurierter Hummel im Meldorfer Landesmuseum

Eine Hummel befindet sich im Landesmuseum in Meldorf.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 


 

... in Dänemark

 

 

Auf Fanø spielte Elizabeth Sørendatter Brinch (1780 - 1858) eine Hummel (humle). 

 

In Hjallese bei Odense besaß Marie Catrine Jørgensen (1794-1865) eine kleine Hummel, die sie mit dem Plektrum spielte.  

 

Maren Jesdatter (1818 - 1906) spielte eine Hummel auf Fanø. 

 

Auf Fanø besaß P. Brinch (um 1915) eine Hummel, die er von seiner Großmutter Maren Brinch geerbt hatte. Er spielte mit Plektrum und Spielstab.

 

Das Gemälde "Werkstatt eines Bernsteinarbeiters" der deutsch-dänischen Künstlerin Charlotte von Krogh entstand im Jahre 1906 und zeigt ein Interieur auf Fanø (hier ein Ausschnitt). An einem Haken hängt eine halb von einer Tasche verdeckte Hummel. 

 

Hummel auf Fanø

 

 

 

 

... in Schweden

 

In einem Bericht über einen "trolldomsprocesser" in Ockelbo im Jahre 1674 steht:

 

  • De åt och drack och började sedan dansa. En gammal tant spelad långspel för dem.

 

Eine schwedische Hummel (långspel, långharpa) aus dem Jahre 1701 ist noch erhalten, neben vielen anderen Hummeln in verschiedenen Formen aber meist mit einer Ausbauchung. Um 1770 ist das långspel "recht selten geworden". 

 

 

... in Flandern

 

Eine große Hummel von 1,15m Länge, als "Bûche des Flandres" bezeichnet, stammt aus dem Jahre 1793. Viele weitere Hummeln verschiedenster Bauart kommen aus Flandern und den umliegenden Landschaften. 

 

 

... in Wallonien  

 

Eine Hummel stammt aus dem Jahre 1880.

 

 

... in Friesland

 

Klaas Douwes schrieb 1699:

 

  • De Noordse Balken sijn holle vierkantige Instrumenten, van twee of drie voeten lang en ook wel langer […] de voijsen worden alleen op de voorste snaare gespeelt […].

 

Dem 1821 in Friesland geborenen Waling Dykstra erzählte der Großvater:


 

  • […] dat hier in vroeger jaren een man reisde met een noordsche balk, een speeltuig met snaren, die hij tokkelde met een ganzenpen, terwijl het instrument op zijne knieën rustte. […] Het speeltuig, meest gelijkende naar een citer, is een holle doos van 101 cm lang en 8 cm diep, terwijl de grootste breedte 23 cm is.


 

In Ostfriesland wurde eine um 1800 hergestellte Hummel gefunden.


 

Die Museen in Leeuwarden und Heerenveen in den Niederlanden besitzen Hummeln.


 

... in den Vierlanden

 

Über den Winter auf Vierlandens Höfen berichtet Ernst Finder im Jahre 1922:

 

  • […] war es Brauch, daß die junge Welt […] um 9 Uhr häufig dazu überging, sich lustig zu machen. Auf dem Flett oder der großen Diele fing man an, unter der Begleitung einer Harmonika oder einer Hummel, eines zitherartigen Saiteninstruments, zu tanzen. […]

 

Das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg besitzt zwei Hummeln aus den Vierlanden.

 

 

 

... in Niedersachsen

 

In der Landschaft Solling war die Hummel als Hümmelke bekannt. Adolf Hilke baute seine erste Hümmelke ca. 1871 und spielte sie bis ca. 1920 in den Spinnstuben und zu Hause. Eine von ihm gebaute Hümmelke befindet sich noch heute (2015) im Familienbesitz. 

 

Huemmelke

 

 

Von Erich Kuke wird eine Hümmelke im Jahre 1926 beschrieben: 

 

  • […] Sie ist ein zitherartiges Instrument, von langgestreckter, gerader Form, 90 Zentimeter lang, 12 Zentimeter breit und 6 Zentimeter hoch. Der Resonanzkörper ist 60 Zentimeter lang. Deckel und Bodenplatte sind aus feinjährigem, augewähltem Fichtenholz und mit dunklen Palisanderholzkanten eingefaßt. Die Seitenteile aus Lärchenholz zeigen hinten 7 Schallöcher. Der Kasten ist an dem einen Ende zum Saitenhalter ausgebildet, am andern Ende geht er unmittelbar in den verzierten Kopf aus Mahagoniholz über, in dem 6 Wirbel stecken. Saitenhalter, ebenfalls Mahagoni, wie Kopf sind je 15 Zentimeter lang.                   Von den 6 Saiten sind die drei hinteren zu einem Dreiklang gestimmte Begleitsaiten und die 3 vorderen gleichtönende Melodiesaiten. Die Bünde (Querdrähte) darunter auf dem Resonanzdeckel sind, entsprechend einer einfachen Tonleiter, durch zwei Oktaven geordnet. […]       Das Spiel erfolgt, indem die Rechte mit einem zugespitzten, bleistiftähnlichen Holzstab über die Saiten streicht und sie so zum Tönen bringt, während die Linke mit einem ähnlichen Stabe, der mit einem Gänsekiel überzogen ist, auf den Melodiesaiten über die Bünde hin- und hergeführt wird. […]

 

 

 

 

 

 

... in Sachsen

 

 

Gustav Klemm erinnert sich im Jahre 1865:

 

  • […] der alte Erzgebirger hatte sein eigenes Saiteninstrument, die Hummel […]

 

 

In Reichenau wurden um 1900 Hummeln in Serie angefertigt.  

 

 

... in Böhmen, Mähren, Schlesien 

 

Das Museum in Zittau besitzt 4 Böhmische Hummeln vom Anfang des 19. Jahrhunderts.

 

 

 





 

 



 

 


 

 

Épinette des Vosges

 

 

Epinette des Vosges gebaut von Chr. Toussaint

 

 

 

 

Die Épinette des Vosges stammt aus den Vogesen (Frankreich). Sie ist eine Griffbrettzither mit mehreren Bordunsaiten. Die Bauform variiert. Sie wird traditionell mit einem Spielstab (Noteur) gespielt.
 

 

 

Bonner Sommer, 1976



 

Epinette des Vosges
Epinette des Vosges

 

 

... in Gérardmer

 

Seit 1723 ist die Épinette des Vosges aus Gérardmer überliefert.

 

... im Val d'Ajol

 

Seit 1730 ist die Épinette des Vosges im Val d'Ajol überliefert. Zwischen 1820 und 1850 unterhielt Dorothée Vançon die Ausflügler mit dem Spiel auf ihrer Épinette des Vosges. Der Wunsch mancher Gäste, ein Instrument mit nach Hause zu nehmen, ermöglichte eine kleine Fabrikation. Dieses Handwerk hat sich bis heute erhalten.

 

 

 



epinette



 


 

 

Épinette du Nord

 

 

Als Épinette du Nord werden die Griffbrettzithern aus Nordostfrankreich bezeichnet. Die Instrumente stammen aus dem 20. Jahrhundert.

 

 ... in Flandern

 

 

Aus Flandern stammt die Épinette flamande. Sie wird mit dem Spielstab (noteur) gespielt.

 

 

... in Cambrai

 

 

Die Zithern aus der Gegend um Cambrai haben größere Abmessungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Langeleik

 

 

Die Langeleik (Langleik, Langeleg, Langspill, Langleg, Langoleik) hat eine Melodiesaite und drei bis acht Begleitsaiten. Die Bünde sind aus Holz. Die Melodie wird traditionell mit den Fingern der linken Hand abgegriffen. Viele Instrumente aus dem 18./19. Jh. befinden sich in den Museen in Norwegen. 

 

 

... in Dänemark

 

In der Rynkeby Kirke auf der Insel Fyn ist ein Engel mit einer Langleg abgebildet. Diese Kalkmalerei stammt aus dem Jahre 1565.

 

 

Rynkeby
Rynkeby Kirke, 1565

 

 

1646 beschreibt Hans Mikkelsen Ravn ein langes, schmales Instrument, das in Dänemark Langleg genannt wird und das einem Monochord ähnelt. 

 

 

 

... in Norwegen

 

 

In der Einleitung zu seiner 1623 publizierten Sammlung von Psalmen empfiehlt Anders Christensen Arrebo den Gesang  zu begleiten mit  

 

  • […] Krogharper, Hakkebretter og Langspil […].

Er hatte das Langspil ca. 1619 bei einer Hochzeit in der Nähe von Trondheim gehört.

 

4 Instrumente von 1669 bis 1675 aus Selbu, Hardanger, Rennebu und Heidal befinden sich in Museen.  

   

Eine Langeleik aus Holt in Südwestnorwegen aus dem Jahre 1704 ist noch erhalten. Sie wurde von M.Karveskurd gebaut. 

 

Eine Langeleik aus dem Saetdal in der Telemark aus dem Jahre 1709 ist noch erhalten.

 

Hans Strøm berichtet 1762 aus Nordalen in West-Norwegen:

 

  • […] et eeneste Huus at finde 2 eller 3 Personer, som forstage at spille, enten paa Violin […] eller paa Langspill (en National Strengeleeg, bygt i en Fiirkant, meere lang end breed, oven til bedækket og belagt med Messing Strenger, men neden under aaben) eller og paa Harpe, […]

 

In einer schwedischen Novelle aus dem Jahre 1842 wird die Langleg als Instrument beschrieben, auf dem die Bauernmädchen in der Gebirgsgegend gern spielen und oft mit großer Fertigkeit. Ferner wird ein Liebeslied aus dem Westfjordtal zitiert:

 

  • Ho som so gjilt kan po Langleg spelo, Svanaug den vena, ska no vära mi [Sie, die so schön auf dem Langleg spielen kann, Swanaug, die holde soll die Meine jetzt sein]

 

 

 

Im Valdres-Tal wird die etwas ausgebauchte Form gebaut und gespielt.

 

Langeleik
Langeleik

 

 

Der englische Reisende William Stanley Jevons schreibt im Jahre 1880 aus Slidre im Valdres-Tal an seine Frau:

 

 

  • […] One morning a girl came in and played us a number of tunes on the Langeleg or ancient Norse Zither, some of which were very pretty. […]

 

 

Beliebt war das Spiel mit Tanzpuppen (Dokkedans, Dansedukker), die über eine Schnur mit der rechten Hand verbunden waren und sich mit der Hand im Rhythmus der Musik bewegten.

 

 

 

 

Langeleik




 


 

 

Scherrzither

 

 

Die Scherrzither (Kratzzither, Zwecklzither) stammt aus dem Alpenraum.

 

Scherrzither

 

 

 ... im Allgäu

 

Die Scherrzither aus dem Allgäu hat zwei Melodiesaiten und eine Bordunsaite. Diese werden mit einem Plektrum gespielt. Es werden auch Akkorde gegriffen.

 

 

2 Scherrzithern

 

 

 ... in Südtirol

 

 

Eine Kratzzither von 1675 aus Südtirol ist bekannt.

 

 

 

... in der Steiermark 

 

Peter Rosegger berichtet aus der Zeit um 1850:

 

  • Mein Vater […] spielte eine Zither mit drei Saiten und spielte auch Volkslieder und Jodler […] und von ihm erdichtete Tonzusammensetzungen, wie sie ihm gerade in die Finger kamen […].

 

 


 

 

Häxeschyt

 

 

Aus dem Simmental (Schweiz) ist ein Häxeschyt (Häxeschit) von 1798 erhalten. Es ist aus einem 78,8 cm langen Stück Holz geschnitzt, hat keinen Boden und 11 Holzwirbel.

 

 

Häxeschit
Häxeschit - Museum für Musikautomaten

 


 

Raffele

 

 

Das Raffele aus Südtirol wurde früher mit zwei Melodie- und mehreren Bordunsaiten gebaut, heute meistens mit drei Melodiesaiten. Es wird mit einem Plektrum geschlagen.


 

Raffele
Raffele


 


 


 

 Timbora


 

Die Timbora ist eine rechteckige Bundzither mit 4-5 Melodie- und 3-4 Bordunsaiten. Zwei Instrumente aus den Jahren 1888 und 1895 sind in Ungarn bekannt.


 

 

 

Citera

 

 

Citera

 

 

Die ungarische Citera gibt es in vielen verschiedenen Bauformen, darunter den langen, schmalen Bundzither-Typ (vályúcitera), der aus einem Stück Holz geschnitzt wurde; die Pferde-Kopf-Citera (kisfejes citera), das ist der bekannteste Bautyp; ferner die ausgebauchte Citera (hasas citera).   

 

Mehrere Instrumente vom ausgehenden 19. Jahrhundert sind von der ungarischen Tischzither, wie sie auch genannt wird, noch erhalten.

 

In einer ungarischen Volkskunde von 1979 steht:

 

  • Beim Maisentlieschen oder beim Spinnen wurde zum Abschluß zur Zither getanzt. Auch wenn man Sonntag nachmittags zum Tanz zusammenkam, war die Zither das wichtigste Instrument. An Winterabenden hörte man ihr gerne auch ohne Tanz zu. Erst in neuerer Zeit hat man versucht, Zitherorchester zusammenzustellen […]

 

 





 

 

 

Bordunske Citre 

 

 

Die bordunske citre ist eine ausgebauchte Bordunzither.

 

 

... in Slowenien 

 

In Slowenien wird die bordunske citre (švrkovnce, plece, špile, drskalce, drsovnca) gespielt.

 

 

Bordunske Citre

 

 

 

... in Kroatien 

 

Auch in Kroatien, in der Region Podravine, ist die bordunske citre bekannt.

 

 

 

 

Ţiteră

 

 

Die rumänische Ţiteră (gesprochen: zitera) wird in Avram Iancu (Munţii Apuseni) und in Band (bei Târgu Mureş) gespielt. Das Instrument wird aus Tannenholz gefertigt, die Bauform ähnelt der Citera. 

 

Der Lehrer Nicolae Coroiu aus Avram Iancu erzählt  im Jahre 2008:

 

  • […] În copilăria mea, aproape fiecare casă avea câte o Ţiteră, aproape în fiecare casă era cineva care avea auz muzical si învăţa la acest instrument. […]
    (In meiner Kindheit war in jedem Haus eine Ţiteră, nahezu in jedem Haus war jemand, der mit diesem Instrument Musik machte.)

 

Im Jahre 2012 hat er 10 SchülerInnen, die er im Ţiteră-Spiel unterrichtet. 

 

 

Bundzithern in den Appalachen  

 

American Zitter 

 

Bordunzithern der nordeuropäischen Einwanderer in Pennsylvania (USA) sind noch erhalten, darunter zwei Instrumente aus den Jahren 1781 und 1788. Viele Instrumente in den verschiedensten Bauformen befinden sich in Museen und Sammlungen in den südlichen Appalachen. 

 

 

 

 

 

Mountain Dulcimer

 

 

Der Plucked Dulcimer, Mountain Dulcimer oder Appalachian Dulcimer stammt aus den südlichen Appalachen (USA).

 

Der Mountain Dulcimer  hat in der Regel 3 Saiten, die erste Saite ist manchmal eine Doppelsaite.  Ursprünglich gab es Bünde nur unter der ersten Saite. Bei den neueren Instrumenten sind alle Saiten mit Bünden unterlegt, so daß man auch Akkorde greifen kann. Der Dulcimer läßt sich in begrenztem Umfang auf andere Tonarten und Modi umstimmen.

 

 

... in Virginia  

 

 

Aus dem Jahre 1832 existiert noch ein Appalachian Dulcimer aus Virginia in der typischen Schiffsbauform (Teardrop).

 

Bluegrass
Margot Mayo am Dulcimer

 

 

 

... in Kentucky

 

 

Mountain Dulcimer gebaut von Klaus Schake

 

 

Die Sanduhrform (Hourglass) wurde um ca. 1870 in Kentucky entwickelt.

 

 

 






 

 

 

Dulcimer


Dulcimer



 

 

 

 

 

Tennessee Music Box

 

Die Tennessee Music Box ist eine rechteckige Griffbrettzither aus Tennessee (USA). Die ältesten Instrumente lassen sich um das Jahr 1870 datieren. Manche Spieler haben die Melodiesaiten mit einem Glasröhrchen abgegriffen.

 

 

Music Box
Tennessee Music Box

 

 

 

Streichzithern in Europa und in den Appalachen  

 

Streichzither

 

Die Streichzither wird mit einem Bogen gestrichen.  

 

 

... in Island

 

 

Das Langspil wird seit dem 18. Jahrhundert auf Island gespielt. Es hat eine Melodiesaite und zwei bis fünf Bordunsaiten. Die Saiten werden mit einem Bogen gestrichen. Der Daumennagel der linken Hand greift die Melodie ab.

 

Langspil von Jon Sigurdsson; Bogen Chr. Toussaint

 

 

 

Auf einer Tour durch Island im Sommer 1809 hörte der Engländer William Jackson Hooker typische isländische Musik:

 

  • I was next entertained with Danish and Icelandic songs, by the Etatsráð's daughter, which she accompanied with tunes upon the Lang-spel. This instrument has long been growing into disuse, so that it is now become of extremely rare occurence, and very few of the natives indeed, excepting the Etatsráð and his family, are capable of performing upon it with any degree of skill.               It consists of a narrow deal box, about three feet long, with a wider semi-circular extremity, in which are the sound holes. Three brass wires, or sometimes five,are extended the whole length of this box, and tightened or slackened by means of small wooden pegs, as in our common violin.                 It is usually played upon with a bow of horse-hair, the instrument itself lying in the mean while upon the table, but the Etatsráð's daughter frequently made use only of her fingers, as with aguitar, in doing which she pressed the end of her thumb alone upon the wires, moving it up and down to produce the different modifications of sound.

 

Auf einer Reise durch Island im Jahre 1810 konnte George Steuart Mackenzie mit großem Vergnügen ein ihm unbekanntes Instrument hören:

 

  •  […] we were told that it was an Icelandic instrument, called the Lang-spiel; and that the performers were the son and daughter of Mr Stephenson, whose proficiency upon this instrument was considered to be very great.                 The Lang-spiel, which was now brought down for our inspection, consists of a narrow wooden box, about three feet long, bulging at one end, where there is a soundhole, and terminating at the other like a violin. It has three brass wires stretched along it, two of which are tuned to the same note, and one an octave lower. One of the two passes over little projections, with bits of wire on the upper part. These are so placed, that when the wire above them is pressed down by the thumb-nail, the different notes are produced on drawing a bow across; and the other wires perform the same office as the drones of a bagpipe. In short, it is simply a monochord, with two additional strings, to form a sort of bass.          When the instrument is near, it sounds rather harsh; but, from an adjoining room, especially when two are played together, as was the case when we first heard the music, the effect is very pleasing. The tunes we heard played were chiefly Danish and Norwegian. […]

 

 

 

... in Pennsylvania

 

Streichzithern der deutschen Einwanderer (Mennoniten) in Pennsylvania (USA) sind noch erhalten.

 

Joseph Lapp berichtet 1921:

 

  • […] Father often played at home, singing himself while playing generally German hymns, such were sung in the Mennonite Meeting-house. […]             He always played standing up  […]. Occassionally he slid the bow across the other two strings, which always sounded the same note or drone. 

 

 

... in Finnland

 

 

Die Jousisitra ist eine Streichzither aus Finnland. Sie hat eine Melodiesaite über 14 Bünden aus Holz und eine Bordunsaite. Die Drahtsaiten werden mit einem Bogen gestrichen. Das Instrument wird aus einem Stück Holz (Erle) geschnitzt und hat eine Länge von ca. 74 cm. 4 Instrumente befinden sich in Museen.

 

 

 

 

 

Stab- und Wölbbrettzithern in Asien

 

Stabzither

 

Bei der Stabzither sind die Saiten über einem geraden Stab gespannt.

 

 

 

... in Indien

 

 

Rudra Vina

Ramamatya beschreibt im Jahre 1550 die verschiedenen Bauarten der Rudra Veena.  

Die Rudra Veena (Rudra Vina, Rudra Veena, Been, Bin) ist eine Rundstabzither mit einem Rohr aus Bambus als Instrumentenkörper. Sie hat zur Klangverstärkung zwei Kürbisse als Resonatoren angehängt.  Sie hat 4 Melodie- und  3 Begleitsaiten (sruti). Die Bünde sind chromatisch (fest) oder diatonisch (verschiebbar) angeordnet. Der Steg ist kastenförmig. Das Instrument wird über die linke Schulter gelegt.

 

 

Die Kairata Vina (Kairâta-vînâ) ist eine Stabzither aus Nordindien mit 3-4 Melodie- und 1-2 Bordunsaiten, es gibt auch Instrumente ohne Begleitsaiten. Sie hat 4-7 Bünde, selten mehr. Am unteren Ende des Bambusrohres ist ein Kürbis zur Klangverstärkung angehängt. 


 

Die Magadi Vina ist eine Rundstabzither aus Indien. Der Stab besteht aus Bambus. Das Instrument hat Bünde in diatonischer Anordnung. Ferner eine Melodie- und zwei Bordunsaiten. Vor dem Steg befindet sich ein Schalloch.

 

 

Jenggurangrai
Jenggurangrai

Die Jenggurangrai ist eine Rundstabzither, gespielt von den Musikern aus dem Stamme der Sora in Ostindien. Sie hat eine Melodiesaite, die über 5 Bünde läuft und eine Bordunsaite. Ein Kürbis dient der Klangverstärkung. Das Instrument wird über die linke Schulter gelegt. 

 

 

 

 

 

Ranjani Vina

In Bengalen ist seit dem 19.Jh. die Ranjani-Vina (Bin-Sitar) bekannt. Diese Stabzither hat 2 Melodiesaiten, 2 Bordunsaiten und 2 kurze Saiten (chikari). Die Saiten laufen über 16 verschiebbare Messingbünde. Zwei Kürbisse dienen der Klangverstärkung.


 

 

 

 


 


 

 


 

 

 

 

... in Afrika

 

 

Die zenze (nzenze, zeze) ist eine Stabzither aus dem Osten Zentralafrikas. Das Instrument hat zwei Melodiesaiten, die über 3 Bünde laufen  und eine Bordunsaite. Eine halbe Kalebasse verstärkt den Klang.

 

Auf Madagaskar wird die Lokanga Voatavo gespielt, die der zenze ähnelt.

 

 

 

 

 

 

Kŏmun'go

 

Das Kŏmun'go (Geomun'go, hyŏnhakkum) ist eine 6-saitige Wölbbrettzither aus Korea. Die Saiten sind aus gedrehter Seide. Die drei mittleren Saiten (davon 2 Melodiesaiten) laufen über16 Bünde, drei Begleitsaiten über bewegliche Stege. Die rechte Hand zupft oder schlägt die Saiten mit einem kurzen Bambusstab an. Die Instrumente sind ca. 160-170 cm lang. Eine kürzere Bauform ist in der Volksmusik gebräuchlich.

 

 

Eine Wandmalerei aus dem 6. Jahrhundert in der südlichen Mandschurei, die zu dieser Zeit ein Teil des koreanischen Königreiches Goguryeo war, zeigt eine Wölbbrettzither mit Bünden in der noch heute in Korea gebräuchlichen Form und Spielweise.

 

 

In einer Handschrift aus dem Jahre 1145 wird es Schwarzer-Kranich-Zither (Hyŏnhakkum) genannt.  

 

Ein Instrument (Takyeonggeum) aus dem Jahre 1490 ist noch erhalten. Ein Musiktraktat (Akhak kwebŏm) aus dem Jahre 1493 beschreibt das Kŏmun'go ausführlich. Bis zu jener Zeit griffen die Kŏmun'go-Spieler die Saiten mit der linken Hand nur leicht ab, ohne sie - wie in der heutigen Spielpraxis (Yokanpŏp) - schiebend oder ziehend zu drücken.  


Komungo
Komungo

 

Ein Holzblockdruck aus dem Jahre 1572 (Geumbo) gibt eine Spielanleitung und zeigt die Benennung der einzelnen Instrumenten-Teile.

 

Komungo
Komungo 1572

 

 

 

 

 

 

Sangenkin

 

 

 

... in Japan

 

Das Sangenkin (San-gen-kin) ist eine  Halbröhrenzither aus Japan. Es wird aus einem aufgeschnittenen Bambusrohr oder aus Holz gefertigt. Es hat Griffmarken, die unter der Melodiesaite eingesetzt sind und 2 Begleitsaiten. Das Instrument ist ca. 100 cm lang.

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 Zithern mit Tastatur

 

Tastenzither

 

 

Tastenzithern sind Griffbrettzithern mit einer Tastenmechanik.  

 

Die linke Hand drückt mit den Tasten der Metallhebel die Saiten neben die Bünde auf das Griffbrett. Die rechte Hand schlägt die Saiten mit einem Plektrum.

 

 

... in Japan

 

Das Taishokoto stammt aus Japan. Es kann mit oder ohne Bordunsaiten bestellt werden.

 

 

... in Indien

 

Das Bulbul Tarang (Bulbul Tara, Banjo) stammt aus Indien. Die Anzahl der Melodie- und der Bordunsaiten variiert.

 

 

Bulbul Tarang

 

 

 

Bulbul Tarang
Banjo in Durg

 

 

 

... in Balochistan

 

 

1919 wurde in Balochistan das Benju entwickelt, mit einer ähnlichen Mechanik, aber einem größeren Tonumfang.

 

 

 

 Zithern für die Bordunbegleitung 

 

 

Mit manchen Zithern wird eine rhythmische Bordunbegleitung erzeugt. Eine Melodie wird damit nicht gespielt.


 


 

Schlagbordun


 

Der Schlagbordun ist eine Kastenzither. Die Saiten des Schlagbordun werden mit einem Schlegel angeschlagen. 

 

 

... in China

 

Die Zhu ist ein Schlagbordun aus China. Ein Instrument wurde in einem Grab aus dem Jahre 433 v.Zt. gefunden. Es hatte 5 Saiten und ist 115 cm lang. 

   

In einem Text von ca. 480-280 v.Zt. steht, daß alle Einwohner der Stadt Linzi die Zhu-Zither schlagen können.

 

zhu
Zhu, 168 v.Zt.

 

 

Ein fabelhaftes Wesen auf einer Lackarbeit von ca. 168 v.Zt. schlägt eine Zhu mit einem Stäbchen.

 

 

 

 

 

 

 

Eine Abbildung aus der Han-Zeit (200 v.Zt.-200) zeigt eine Szene mit drei Musikern, einer schlägt eine Zhu, einem Tänzer und einem Akrobaten.

 

musikalische Szene mit Zhu

 

 

Im Jahre 196 gab der Fürst Gaozu (Liu Bang) auf einer Reise ein Fest im Palast von Pei und

 

  • […] als das Fest auf seinem Höhepunkt war, schlug Gaozu die Zhu und sang ein Lied, welches er komponiert hatte.

 

Ein Text von ca. 740-785 beschreibt die Zhu als Instrument, welches mit einem Bambusstab geschlagen wird.

 

Eine Zeichnung von ca. 600-1200 zeigt ein Ensemble, in dem eine Musikerin eine siebensaitige Zither im linken Arm trägt. Ihre rechte Hand schlägt mit einem Stäbchen auf die Saiten.

 

Zhu
Zhu, ca. 600-1200

 

 

 

Der Schlagbordun ist in Europa unter vielen Namen bekannt. Er wird meistens über die linke Schulter gelegt und von der linken Hand gehalten. Größere Instrumente werden auf einem Fuß abgelegt.  

 

... in Deutschland

Saitentambourin

 

... in Dänemark

Slaghumle

 

... in Frankreich

Tambour à cordes

 

... in Ungarn

Gardon

 

... in Schweden

Slaglira.

 

Kapelle der Kathedrale von Le Mans, 1377


Ehinger Hof in Ulm, 1380


Kloster Allerengelberg in Südtirol, 1390


Brüdernkirche St. Ulrici in Braunschweig, 1410


 

Manchmal wird der Schlagbordun mit einem Band umgebunden und zusammen mit der Einhandflöte gespielt:  


  

... im Baskenland

TTUN-TTUN

Santa Maria sopra Minerva, Rom, 1490


  

... in Portugal

Chicotén


  

... in Italien

Buttafuoco.

 

 

 


 


 


 


 


 


 

Tambura

 

Die Tambura (tamboura, tāmbūr, tanpūr) ist eine Stabzither, deren Saite(n) mit den Fingern gezupft, aber nicht abgegriffen werden.

 

 

 ... in Indien

 


 

Eine Wandmalerei aus dem Jahre 475 über dem Eingang von Höhle 17 in Ajanta zeigt einen Sänger, der von Musikanten begleitet wird. Der linke Musiker hält eine Tambura in der rechten Hand. Die Stabzither hat einen flachen Resonator am oberen Ende des Stabes. Ein Finger der linken Hand zupft die Saite.


 

Tambura
Tambura in Ajanta


 

 

 

Die Tambura im Punjab/Nordwestindien wird Sursota (Bordunstab) genannt.  

 


 

Sursota
Sursota


 


 

 
 

 

Musikbogen


 

Der Musikbogen besteht aus einer Saite, die über einem biegsamen Rundstab gespannt ist. Der Ton wird von einem Resonator (Mundhöhle, Kalebasse) verstärkt. Mit einem Stäbchen (Schlegel) schlägt man auf die Saite. Der Rundstab mit einer befestigten Kalebasse als Resonator wird Kalebassenbogen genannt.


 


 

 

Kalebassenbogen

 


... in Afrika

 

Der ca. 2,36m lange Kalebassenbogen der Sukuma in Ostafrika hat am oberen Ende einen zusätzlichen kleinen Resonanzkörper.


 

Musikbogen
Musikbogen

 

In Obervolta, Norddahomay und Ghana werden Klappern am Holz des Musikbogens befestigt.


 

Peter Kolb beschreibt in einem Reisebericht aus dem Jahre 1719 den Musikbogen der Khoi-Khoi in Angola:


 

  • […] Diese Gom-Gom ist ein runder Bogen von dichten zähen Holze, aus Oliven, oder Eisen-Holz gemachet. […] Wenn sie eine vollstimmige GomGom machen und haben wollen, wie man sie denn auch einfach, schlecht und nur auf die izt beschriebene Weise hat: so stecken sie an dem andern Ende, ehe die Saite an dem Bogen fest angespannet und gebunden wird, eine entzwei-gesägte […] Klapper- oder Cocos-Nuß-Schale, welche gleichsam den Resonanz geben muß. […] so klinget das Instrument nicht nur viel heller, als es ohne dieselbe thun würde; sondern sie können auch das hinter sich und vor sich Bewegen der gedachten Cocos Nuß-Schale, alle Thone verstellen, die man auf einem anderen also simplen Instrument solte prakticiren können. […]


 


Henrique Augusto Dias de Carvalho beschreibt in einem Reisebericht aus dem Jahre 1890 einen Kalebassenbogen aus Angola, den er Rucumbo nennt.


 

In der Provinz Muxiku in Angola kennt man den Kalebassenbogen mit einem zusätzlichen Steg aus geschnitztem Holz.

 

 

... in Brasilien

 

In Brasilien gibt es seit dem 19.Jh. das Berimbau (berimbau de barriga), einen Kalebassenbogen. Es ist das führende Musikinstrument beim Capoeira. Der Spieler hält in der rechten Hand außer dem Schlagstäbchen noch eine Rassel. Die linke Hand hält das Instrument und einen Stein oder ein Geldstück, um die Saite zu verkürzen.

 



 

 

 

 

 

 

 

 


Im Bambusdickicht saß ich ganz allein.
Ich schlug die Zither, summte dann und wann.
Kein Mensch vermutete mich dort im Hain,
Und nur der Mond kam nah und schien mich an.


Hütte im Bambushain

von Wang-Wei (698-759)

Kurzgedicht aus dem Zyklus Wang-ch'uan chi

 Autor: Rainer Guthke

rainer-guthke (at) t-online.de